Reine Kopfsache: Welcher Stativkopf ist der Richtige?
Wenn Sie sich nach der Lektüre dieses Artikels hier für ein Stativ entschieden haben, geht die Suche nach der richtigen Ausrüstung direkt in die nächste Runde: Denn ohne einen passenden Stativkopf ist das neue Stativ reichlich nutzlos, da ein Verstellen der Kamera in verschiedene Richtungen fast nicht möglich ist. Erst mit einem geeigneten Neiger ist das System komplett.
Auch bei diesem Zubehör gibt es unterschiedlichste Modelle in verschiedensten Preisklassen. Und wie schon beim Stativ läßt sich nicht mit einem einzigen Modell das gesamte Spektrum fotografischer Einsatzbereiche abdecken.
Jeder Stativkopf-Typ hat seine Vor- und Nachteile: Während sich etwa ein Videoneiger hervorragend für den Einsatz mit großen, schweren Teleobjektiven empfiehlt, ist er für den Einsatz mit kleineren Brennweiten in der Landschaftsfotografie denkbar ungeeignet. Anders herum wäre das Verstellen eines Dreiwege-Getriebeneigers eine Freude in der Makro- oder Architekturfotografie, ein 500mm-Supertele mag man diesen Stativköpfen allerdings nicht anvertrauen.
Für den Einstieg sollten Sie sich überlegen, welche fotografischen Themen Sie am meisten interessieren – und dann den Stativkopf wählen, der Ihrem Budget und Ihren Ambitionen entspricht. Die Entscheidung für ein spezifisches Modell kann ich Ihnen leider nicht abnehmen. Der folgende Überblick über Stativköpfe erklärt die wichtigste Modell-Unterschiede:
Dreiwegeneiger

Manfrotto Drei-Wege-Kopf Basic (Foto: Manfrotto)
Am weitesten verbreitet, besonders bei Einsteigern, sind Dreiwegeneiger. Die Kamera bzw. das Objektiv wird auf einer Grundplatte befestigt und lässt sich mit 3 voneinander unabhängigen Stellschrauben in nahezu jeder beliebigen Position fixieren. Es erfordert zunächst ein wenig Übung, und am Anfang löst man gerne einmal die falsche Verriegelung. Auch verstellt sich durch Festziehen der Schraub-Hebel die Kamera-Position minimal. So ist dann die gefundene Einstellung leider wieder ruiniert.
Für präziseres Arbeiten, wie es etwa die Makrofotografie oder die Architekturfotografie erfordert, gibt es Ausführungen als Getriebeneiger, die sowohl eine schnelle Verstellung, als auch eine sehr fein dosierbare Veränderung der Kameraposition erlauben.
Die Anschaffungspreise für normale Dreiwegeneige sind moderat: Das beliebteste Modell, der Manfrotto MA 804RC2 Basic 3-Wege-Neiger mit Schnellwechselplatte 200PL kostet derzeit rund 60 €. Ein Getriebeneiger wie der Manfrotto MA 410 Getriebeneiger Junior
belastet das Budget mit etwa 160 €.
Kugelkopf
Trotz leicht höherer Investion erfreut sich in den letzten Jahren der Kugelkopf zunehmender Beliebtheit – und das zurecht: Die Fixierung der Kameraposition erfolgt über einen einzigen Knopf oder Hebel, und die Kugel ermöglicht eine nahezu beliebige Ausrichtung der Kamera.
Besonders praktisch ist die bei vielen Modellen vorhandene Voreinstellung der Beweglichkeit der Kugel. Diese sogenannte Friktionsvoreinstellung verhindert, daß bei schweren Kameras durch Lösen der Verriegelung die Kamera unvermittelt zur Seite oder vornüber kippt. Achten Sie auf dieses technische Detail, das i.d.R. entweder als kleiner, zusätzlicher Schraubknopf, oder (umständlicher) als kleines Rädchen im Feststell-Knopf (Friktionsknopf) angebracht ist. Zusätzlich besitzen alle Kugelköpfe einen weiteren Knopf zur Arretierung der horizontalen Drehung.

Manfrotto 055 Magnesium (Foto: Manfrotto)
Der Kugelkopf eignet sich für nahezu jede fotografische Aufgabenstellung, die ein Stativ erfordert. Lediglich beim Einsatz größerer Brennweiten ab 300mm rate ich von der Verwendung eines Kugelkopfes ab. Durch das hohe Gewicht von digitaler Spiegelreflexkamera und Objektiv, sowie der Baulänge, lässt sich das seitliche Wegkippen nur mit blauen Fingernägeln erkaufen. Die werden nämlich regelmäßig eingequetscht, wenn Sie versuchen, das schwere Objektiv doch auf der Kugel zu balancieren. Für diese Einsatzzwecke gibt es Speziallösungen von Anbietern wie Berlebach oder Rainer Burzinsky.
Sie haben die Qual der Wahl: Kugelköpfe gibt es von 50€ bis 500€ und mehr. Sie unterscheiden sich etwa durch das maximal mögliche Gewicht von Kamera und Objektiv, Laufpräzision bzw. Spielraum der Kugel sowie das Eigengewicht.
Beispiele für Kugelköpfe aus verschiedenen Preisklassen (Stand 10/2011):
Manfrotto MH054M0-Q2 Magnesium Kugelkopf mit Q2 Schnellwechseleinrichgung (ca. 140 €)
Markins Q3, Q10, Q20 (ab 300 €)
Videoneiger

Manfrott Pro-Fluid Videoneiger 504HD (Foto: Manfrotto)
Insbesondere für den Einsatz mit längeren Brennweiten, wie etwa in der Tierfotografie, empfehlen sich Zweiwegeneiger. Diese Videoneiger ermöglichen ruckelfreies Mitziehen auch schwerer Teleobjektive bei Serienaufnahmen. Ähnlich der Friktionseinstellung bei Kugelköpfen, läßt sich der zum Verstellen erforderliche Widerstand auf die eigene Kameraausrüstung einstellen. Der Wechsel zum Hochformat erfolgt durch Drehen des Objektivs in der Stativschelle. Die Dämpfung von Videoneigern erfolgt entweder über Federn in unterschiedlichen Stärken (einfache Version), oder über eine zusätzliche Fluid-Dämpfung (besser, teurer, schwerer).
Beispiele für Videoneiger aus verschiedenen Preisklassen (Stand 10/2011)
Manfrotto Fluid-Videokopf 504HD (max. Belastbarkeit 7.5 kg) (ca. 350 €)
Fazit
Für welches Neigesystem Sie sich auch interessieren: Nutzen Sie die auf Fachmessen oder vom Fachhandel angebotenen Möglichkeiten, die unterschiedlichen Produkte ausführlich kennenzulernen. Der Fotomarkt bietet eine faszinierende Auswahl, die zunächst verwirrend scheint. Legen Sie für sich die Eckdaten fest: Was will ich fotografieren, was will ich tragen, und was bin ich bereit auszugeben. Damit lässt sich die Auswahl relativ schnell auf 3 bis 4 verschiedene Stativköpfe einschränken. Und dann entscheiden Sie sich für das Modell, von dem Sie ganz persönlich überzeugt sind. Das kann ein Testsieger sein – aber oft bieten auch die weniger bekannten Produkte genau diejenigen Eigenschaften, die Sie suchen.


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