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So finden Sie das richtige Stativ

Zahlreiche Hersteller wie Gitzo, Manfrotto oder Berlebach entwickeln Jahr für Jahr neue Stative, die leichter, robuster, und funktionaler werden. Der Markt ist unüberschaubar geworden, dem Kunden bliebt die Qual der Wahl.

Die folgenden Kriterien helfen Ihnen dabei, die in Frage kommenden Modelle einzugrenzen. Entscheiden Sie selber, welche Priorität Sie den verschiedenen Punkten geben – nur wählen Sie bitte ausser dem Preis noch mindestens ein weiteres Kriterium aus …

Kameragewicht

In den technischen Daten der Produkt-Prospekte finden Sie Angaben über die maximale Traglast. Also dann: Ab mit Kamera, großem Objektiv, Akku, und ggf. Blitz auf die Küchenwaage. Tipp: Die Waage für die Backmischung mit max. 2kg reicht in den seltensten Fällen aus. 

Anhaltspunkt: Eine digitale Spiegelreflexkamea bringt es mit einem 28-300mm Objektiv auf etwa 1600 gr.
Bitte beachten Sie: Das Stativ muss auch das Gewicht des Stativ-Kopfes mittragen. Ein einfacher Kugelkopf wiegt weitere 300g bis 500g.

Gewicht des Stativs

Ein schweres Stativ wird auch nach Jahren noch aussehen wie am ersten Tag – weil es zu Hause oder im Kofferaum liegen bleibt! Andererseits wird gerade Stabilität und Schwingungsfreiheit erwartet. So gilt es, den besten Kompromiss zu finden – was nicht ganz einfach ist.

Das Gewicht (und auch der Preis) wird wesentlich durch die verwendeten Materialien beeinflusst: Aluminium, Kohlefaser, Basalt und Holz finden sich im Angebot der empfehlenswerten Stativhersteller. 

Für meine Arbeit nutze ich bereits seit vielen Jahren Kohlefaser-Stative von Gitzo. Die Schwingungsdämpfung ist sehr gut bei gleichzeitig relativ geringem Transportgewicht.

Packmaß

Zugegeben: Ein kleines Packmaß ist mindestens ebenso attraktiv wie ein geringes Gewicht des Statives. 

Allerdings wollen Sie vermutlich das Stativ ja nicht nur herumtragen, sondern auch nutzen.

Für diesen Fall sind 2 Faktoren wichtig:

  1. Die maximale Höhe des Stativs bei Auszug aller Bein-Elemente, aber OHNE Nutzung der Mittelsäule. 

Die ist nämlich als Reserve zu verstehen und sollte nie mehr als 1/3 ihrer Länge ausgezogen werden. Rückenfreundlich wird es erst dann, wenn sich die Montage-Platte für den Stativkopf auf Augenhöhe befindet. Spätestens jetzt wird klar, daß sich die italienischen Hersteller bei den Produkten eher an der Körpergröße ihrer Landsmänner, und nicht am durchschnittlichen Mitteleuropäer orientieren: Gerade die Modelle in moderaten Preissegmenten sorgen mit maximalen Höhen von ca. 140cm eher für den Aufbau einer guten Beziehung mit Ihrem Physiotherapeuten.

Ich bevorzuge Stative mit 3 Beinelementen (2 Auszüge). Das Packmaß ist nur geringfügig größer, dafür wird man mit einer höheren Stabilität des Stativs belohnt. 

Tipp: Ziehen Sie das unterste Bein-Element aus und urteilen Sie vor dem Kauf selbst, ob Sie dem Rohrdurchmesser Ihre Ausrüstung auch bei etwas windigeren Bedingungen anvertrauen wollen.
  2. Wenn Sie gerne in Bodennähe arbeiten, achten Sie auch auf die minimale Höhe. Entscheidend hierfür sind die Verstellmöglichkeiten der Beine. Die Mittelsäule schränkt die Arbeit in Bodennähe häufig ein – zumindest dann, wenn man keine Sandschaufel im Gepäck hat. Wenn Sie auf gar keinen Fall auf eine Mittelsäule verzichten möchten, schauen Sie sich die Modelle von Manfrotto an, bei denen Sie die Mittelsäule entnehmen bzw. in eine horizontale Position bringen können.

Preis

Günstig sind Stative nicht – aber die Modelle der Markenhersteller sind ihren Preis auf alle Fälle Wert. Das bedeutet nicht, dass man zwingend tief in die Tasche greifen muss. Die Ausgaben für ein Stativ sollten in einem vernünftigen Verhältnis zum Wert Ihrer übrigen Ausrüstung stehen. Als Anhaltspunkt: 10-15% ihres Ausrüstungswertes darf ein Stativ wenigstens kosten. Denn wie bei vielen Dingen gilt auch bei Stativen: Wer billig kauf, kauft zweimal. Bevor Sie Ihre Ausrüstung einem 59 €-Allrounder der Geiz-ist-Geil-Ketten anvertrauen, spenden Sie das Geld lieber einem guten Zweck.

Vergessen Sie auch nicht, dass zu dem Stativ immer noch ein Stativ-Kopf gehört – auch dafür sollte noch etwas Budget übrig bleiben.

Kaufempfehlungen

Die nachfolgenden beiden Empfehlungen basieren auf meinen ganz persönlichen Erfahrungen. Fragen Sie auch Ihre Fotofreunden nach deren Meinung, und hören Sie dann auf ihre innere Stimme. Wenn sich die Möglichkeit bietet: Probieren Sie das Stativ Ihrer Wahl aus. Erst im Einsatz zeigt sich, ob es wirklich der passende Partner fürs Leben ist. Vielleicht haben sogar auch Ihre Enkel noch was davon. Aber denken Sie daran: Es wird erst dann wertvoll, wenn Opa oder Oma es auch benutzt haben …

 

Meine Empfehlung für Einsteiger:

Manfrotto 055XPROB
Preis: ca. 135 €
Informationen zu diesem Stativ auf www.manfrotto.de …

Der stabile Allrounder mit Aluminium-Rohren trägt die Ausrüstung zuverlässig, lässt sich universell für verschiedenste Arten der Fotografie einsetzen, und hat eine noch vernünftige Arbeitshöhe. Wenn Sie Wert auf ein geringes Transportgewicht und optimierte Dämpfungseigenschaften legen: Das gleiche Stativ ist auch als Carbon-Variante 055CXPRO3 erhältlich. Das Gewicht halbiert sich von 3kg auf 1.6kg, dafür verdoppelt sich der Preis auf rd. 300 €.

Meine Empfehlung für ambitionierte Tierfotografen mit großer Ausrüstung:

Gitzo Systematic Stative der Serie 3 (GT3530LS oder vergleichbar)
Preis: ab ca. 630 €
Informationen zu diesem Stativ auf www.gitzo.de …

Das ideale Stativ, wenn Sie Objektive zwischen 2.8/300mm und 4.0/500mm verwenden. Die Kohlefaser-Stative kommen ohne Mittelsäule – und das ist auch gut so! Bei Bedarf lassen sich die flachen Auflageteller entnehmen und gegen verschiedenste Adapter, wie etwa Video-Kalotten oder Nivelliersockel, austauschen.

Seit Einführung des G-Lock Systems, mit dem die Anpassung der Beinlänge mit einer Hand möglich wurde, sowie des weiter reduzierten Eigengewichtes ohne Zweifel DAS Stativ fürs Leben.

Zu teuer? Wenn Sie 6000 € für ein Teleobjektiv, und wenigstens 2000 € für ein aktuelles DSLR-Gehäuse ausgeben, klingen 600 € für ein Kohlefaser-Stativ doch geradezu wie ein Schnäppchen. Ausserdem wird das Stativ zumindest den digitalen Body um viele Jahre überleben.

Für welches Stativ Sie sich letztendlich auch entscheiden: Benutzen Sie es!

3 Comments »

  • Hans-Dieter Linke sagt:

    Ich habe zwei Manfrotto 055XPRO, einmal mit einem 141 3-Wege und eins mit einem Manfrotto 393, damit bin ich von macro bis zu den "Big Glases" für alles gerüstet. Angefangen habe ich mit dem 141 3 Wege Neiger.

  • Chris sagt:

    Ich habe nun mein 10 Jahre altes Manfrotto 190 und den 141RC Kopf ausgemustert – nicht weil es kaputt ist, sondern weil die Ausrüstung dem Stativ buchstäblich über den Kopf gewachsen ist. Natürlich trägt das 190.er auch mein 500mm 4.0 mit angesetztem Body und Co, aber das ist dann schon eine recht Wackelige Angelegenheit und so habe ich lange gesucht um das Stativ zu finden, was genau meinen Vorstellungen entspricht.

    Manfrotto wollte nicht. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil die Performance mir nicht zusagt. Das was ich wollte gab / gibt es dort schlicht weg einfach nicht.

    Holz ist ein schönes Material, dämpft wunderbar, hat was besonderes – das gewisse Etwas und die UNI Serie von Berlebach steht wie ein Fels in der Brandung – leider ist das auch genau so schwer und was kompaktes für Unterwegs war dort leider auch nicht zu finden. So bin ich letzten Endes bei Gitzo "hängen" geblieben. Das 3541ls entspricht genau dem, was ich mir unter einem Stativ vorgestellt habe. Leicht, stabil, gutes Packmaß, gute Performance und es ist erweiterbar. Sprich ich kann später eine Nivellierkugel benutzen. Ja, der Spaß war nicht billig, aber wenn ich bedenke, dass mein altes Manfrotto die letzten 10 Jahre jeden "Mist" mitgemacht und mich – wenn ich mich nicht verrechnet habe – ein mal um die Welt begleitet hat und ich es nur ausmustere, weil ich was stabileres benötige, dann sind die vielen Euros für ein Gitzo eine gute Investition. Ob es auch eine Investition fürs Leben ist, wird sich erst noch zeigen …

  • Claus Brandt sagt:

    Das einzige "Problem" auch der aktuellen G-Serie ist die Verwendung in Salzwasser bzw. am Strand. Wenn die Gewinde der Verschlüsse regelmäßig gefettet werden hat man lange Freude daran. Die Holzstative von Berlebach sind da sicher im Vorteil, aber das Gewicht ist gerade für reisende Fotografen ein K.O.-Kriterium – und da bietet Gitzo in der Tat derzeit das beste Angebot.

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